Torgelow News
Teamprojekt Theater: Zwischen Bühne, Geschichte und Gemeinschaft
Die Schülerinnen und Schüler staunten nicht schlecht, als sie den Saal des Deutschen Nationaltheaters betraten. Es war der Einstieg in eine andere Welt – fast Fiktion. Die steilen Ränge, das dunkle Rot der Sitzpolster und Vorhänge, aber vor allem: die Atmosphäre. Eine Woche lang reiste das Teamprojekt Theater zu kulturellen Höhepunkten unseres Landes und tauchte in jene fiktive Welt ein.
Goethe und Schiller – Influencer über Jahrhunderte
Was passiert eigentlich, wenn ein dramatischer Text seine Seiten verlässt und zum Theaterstück wird? Seine Verwandlung erfährt der Text durch Interpretation. Fast schon ein Schimpfwort für Schüler, das sie sofort in den Deutschunterricht katapultiert. Aber Interpretation ist menschengemacht; sie ist leidenschaftlich, fehlerhaft und dynamisch. Eine Projektfahrt nach Erfurt, Weimar und Gotha liefert den Rahmen, um solche Erfahrungen hautnah erleben zu können.
Möbius, Newton und Einstein sind Physiker. Zumindest zwei von ihnen waren es jedenfalls mal, denn sie sind bereits verstorben. Und dennoch leben alle drei in einer Nervenklinik, die von einer renommierten Ärztin aus bekanntem Hause geleitet wird.
Das ist die Ausgangslage des für dieses Schuljahr geplanten Theaterstücks „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt, das zum Elternsprechtag 2027 aufgeführt wird.
Auf den Spuren der großen Dramatiker
Inspiration zur Interpretation findet sich am besten auf den Spuren der großen Dramatiker unseres Landes und in den ehrwürdigen Hallen deutscher Theatergeschichte.
Weimar, die Stadt, in der Goethe und Schiller ab 1799 nur wenige Gehminuten voneinander entfernt wohnten, reizt zum Lesen, zum Versinken in einem Buch bei starkem Kaffee an der Ilm oder zum Träumen auf den dortigen Wiesen in der Nähe von Goethes Gartenhaus.
Weimar schien unsere Schülerinnen und Schüler in seinen Bann zu ziehen, sodass sie Instagram und Co. gegen solche Momente eintauschten, die lange nachhallen werden.
Ein Theaterabend, der in Erinnerung bleibt
Die Sensation blieb allerdings das Nationaltheater, der Höhepunkt unserer Reise: „Don Quijote“ nach Miguel de Cervantes, Reihe 2, Plätze 1 bis 13.
Eine Inszenierung, die noch auf der Rückfahrt nach Erfurt für Gesprächsstoff sorgte und zu großen Träumen von der eigenen Produktion auf Schloss Torgelow verhalf.
Theatergeschichte zum Anfassen
Das historische Ekhof-Theater im Schloss Friedenstein in Gotha führte den Schülerinnen und Schülern die Geschichte des Theaters erneut vor Augen – vor allem durch seine mit Seilen bewegten Kulissen, die ganze Städte, Landschaften und Zimmer entstehen ließen.
Hier lässt sich nachvollziehen, wie Theater vor mehreren Jahrhunderten funktionierte und wie sich Bühnenräume, technische Möglichkeiten und Formen des Theaters im Laufe der Zeit verändert haben.
Was bereits am ersten Tag in Seminaren besprochen wurde, wurde hier spätestens zur Erkenntnis: Das Drama ist menschengemacht; es ist leidenschaftlich, emotional, fehlerhaft. Erst durch seine Interpretation und Inszenierung wird es vollkommen. Es braucht keine KI, keine Maschine, die es antreibt. Es braucht nur sie, die Schülerinnen und Schüler von Schloss Torgelow, die es lesen, erleben und zu dem machen können, was sie in ihm sehen.
Lernen, leben, gemeinsam unterwegs sein
Eine Teamprojektfahrt auf Schloss Torgelow ist mehr als Unterricht außerhalb des Schulgeländes. Die Schülerinnen und Schüler verbringen mehrere Tage miteinander, erarbeiten eigene Projekte, erkunden neue Orte und teilen die Erlebnisse des Tages. Dabei stehen ihre Ideen im Mittelpunkt.
Wer gemeinsam diskutiert, eine Stadt erkundet oder am Abend im Theater sitzt, begegnet seinen Mitschülerinnen und Mitschülern auch außerhalb des gewohnten Unterrichtsalltags.
Und am Ende ist es vielleicht gar nicht der Theatersaal des Nationaltheaters, sondern die Wiese an der Ilm, auf der wir lagen, für kurze Zeit einfach in den Himmel schauten und Pläne für unser eigenes Stück schmiedeten, die uns besonders in Erinnerung bleiben wird.
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