# Was wir kindern zutrauen dürfen

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> Language: de  
> Description: Als Mario Lehmann und ich vor Kurzem eine unserer alten Werbeanzeige wiederentdeckt haben, mussten wir beide schmunzeln: „Mit uns können Sie unbesorgt nach PISA fahren.“ Ein Satz …

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*Als Mario Lehmann und ich vor Kurzem eine unserer alten Werbeanzeige wiederentdeckt haben, mussten wir beide schmunzeln: **„Mit uns können Sie unbesorgt nach PISA fahren.“** Ein Satz aus einer anderen Zeit – und doch erstaunlich aktuell.*

Die Veröffentlichung der jüngsten PISA-Ergebnisse war für uns deshalb ein guter Anlass, noch einmal grundsätzlicher darüber nachzudenken: Was ist eigentlich unsere Haltung zu Schule, Leistung und Bildung? Was glauben wir, was junge Menschen brauchen? Und was möchten wir ihnen zutrauen?

Aus diesen Gesprächen ist ein Positionspapier entstanden, in dem wir unsere Gedanken zusammengefasst haben.

**Bildung braucht mehr als gute Testergebnisse**

Internationale Vergleichsstudien können immer nur einen Teil dessen messen, was Schule ausmacht. Und trotzdem sollten uns Ergebnisse nachdenklich machen, wenn sie zeigen, dass viele Kinder und Jugendliche Schwierigkeiten mit grundlegenden Kompetenzen haben.

Schon die IGLU-Studie 2021 zeigte beispielsweise, dass rund ein Viertel der Viertklässlerinnen und Viertklässler in Deutschland beim Lesen nicht das Kompetenzniveau erreichte, das für das weitere Lernen notwendig wäre.

Dabei geht es aus unserer Sicht nicht in erster Linie um Rankings.

Es geht darum, Texte verstehen, Zusammenhänge erfassen, mathematische Probleme lösen, Argumente abwägen und selbstständig lernen zu können. Diese Fähigkeiten sind eine wichtige Grundlage dafür, dass junge Menschen ihren weiteren Bildungsweg selbstbewusst gestalten können.

Und damit verbindet sich für uns eine weitere Frage: Welche Erwartungen dürfen und sollten wir an junge Menschen stellen?

**Leistung und Zutrauen gehören für uns zusammen**

Wir glauben, dass Leistung kein Gegensatz zu einer wertschätzenden und zugewandten Schule sein muss.

Im Gegenteil: Wenn wir Schülerinnen und Schülern etwas zutrauen, dürfen wir auch etwas von ihnen erwarten. Nicht jede Aufgabe muss sofort gelingen. Nicht jede Anstrengung führt unmittelbar zum Erfolg. Aber wir möchten jungen Menschen die Erfahrung ermöglichen, dass Üben, Durchhalten und ein zweiter oder dritter Versuch einen Unterschied machen können.

Leistung bedeutet für uns deshalb nicht Druck um jeden Preis. Sie bedeutet auch nicht, dass alle Schülerinnen und Schüler dasselbe leisten müssen.

Sie bedeutet vielmehr: Wir nehmen deine Möglichkeiten ernst. Wir unterstützen dich. Und wir trauen dir zu, an Herausforderungen zu wachsen.

**Fordern und fördern**

Auf Schloss Torgelow versuchen wir, beides miteinander zu verbinden.

Kleine Klassen, persönliche Begleitung, engagierte Lehrerinnen und Lehrer und klare Erwartungen schaffen dafür besondere Bedingungen. Dass unsere Abiturjahrgänge seit vielen Jahren sehr gute Ergebnisse erzielen, freut uns natürlich. Gleichzeitig wissen wir sehr genau, dass sich die Bedingungen eines privaten Internatsgymnasiums nicht ohne Weiteres auf andere Schulen übertragen lassen.

Was wir aus unserer Erfahrung dennoch mitnehmen, ist eine Haltung:

Lernen braucht Zeit und Konzentration. Junge Menschen brauchen gute Lehrerinnen und Lehrer und individuelle Unterstützung. Sie brauchen aber auch Ziele, Herausforderungen und Gelegenheiten, sich anzustrengen.

Deshalb würden wir uns wünschen, dass in der Bildungsdebatte neben der Frage nach Entlastung und Unterstützung auch die Frage nach **Anspruch und Zutrauen** ihren Platz behält.

Es darf aus unserer Sicht Sätze geben wie:

Streng dich noch einmal an.  
Versuche die Aufgabe ein zweites Mal.  
Lies weiter.  
Du kannst das besser.

Und genauso wichtig ist der Satz:

**Wenn es noch nicht klappt, helfen wir dir dabei.**

Für uns ist genau diese Verbindung entscheidend: fordern, fördern, begleiten – und jungen Menschen etwas zutrauen.

Vielleicht war die alte Anzeige deshalb ein so guter Ausgangspunkt für unser Positionspapier. Sie ist ein wenig aus der Zeit gefallen. Die Frage dahinter ist es nicht:

**Was muss Schule leisten, damit junge Menschen gut auf ihre Zukunft vorbereitet sind?**

Darüber möchten wir weiter nachdenken – und diskutieren.
