Kunstwerk des Monats: „Der Stuhl ist leer“

Torgelow News

Kunstwerk des Monats: „Der Stuhl ist leer“

In der Aula des Internatsgymnasiums Schloss Torgelow steht aktuell ein leerer Stuhl. Er steht für das Kunstwerk des Monats. Mithilfe des QR-Codes können die Betrachterinnen und Betrachter die Hintergründe zum „leeren Stuhl“ erfahren.

Kurzinformationen zum Kunstwerk des Monats:

Namen der KünstlerInnen

Marie, Emma, Vincent, Jenny, Nadja, Silas, Zoé, Marlene

Klasse

K1

Wie heißt euer Bild/Kunstwerk/Performance?

„Der Stuhl ist leer.“

Wie war eure Aufgabenstellung?

Eine Performance zu einem Thema unserer Wahl zu entwickeln.

Was ist euch gut gelungen?

Unsere Performance sollte unsere MitschülerInnen zum Nachdenken anregen. Dies ist uns gut gelungen.

Erzähle uns etwas über die Bedeutung des Bildes.

Ziel der Performance „Der Stuhl ist leer.“ war es, an den Holocaust zu erinnern und gleichzeitig auf heutige Formen von Ausgrenzung aufmerksam zu machen. Die Performance sollte nicht belehren oder erklären, sondern Gefühle auslösen und zum Nachdenken anregen. Das Publikum sollte die Situation zunächst selbst wahrnehmen, deuten und aushalten, bevor Zusammenhänge klar werden. Dadurch sollte deutlich werden, wie Ausgrenzung entsteht, wie sie wahrgenommen wird und wie leicht man sich daran gewöhnt.

Die Performance:

„Der Stuhl ist leer.“ war eine Performance. Die Entwicklung fand im Rahmen des Kunstunterrichts der 11. Klasse statt. Präsentiert wurde sie während der täglichen Schulversammlung. Acht Schülerinnen und Schülern des Kurses wollten mir ihrer Performance an die Shoa erinnern und auf die damit immer noch verbundene Ausgrenzung hinweisen.

Beschreibung:

Zur szenischen Darstellung diente ein schwarzer Hintergrund aus Stellwänden mit acht schwarzen Stühlen aus der Aula und einem schwarz lackierten Stuhl inmitten der anderen Stühle im Vordergrund. Auf diesen verteilt saßen die Schülerinnen und Schüler, ebenfalls schwarz gekleidet, zu Beginn der Schulversammlung. Der mittlere Stuhl blieb leer. Die Einheitlichkeit in der Farbe diente zur Verdeutlichung der Uniformität und Gleichheit untereinander. Schwarz wurde als neutrale Farbe gewählt, da der Fokus auf den gesagten Worten liegen sollte. Allgemein sollte die Szenerie daher möglichst neutral und simpel gehalten werden.

Zur Eröffnung der Schulversammlung saßen sieben der Akteure auf ihren Plätzen. Marie trat hinter den Stellwänden auf der linken Seite empor und zeigte ein schwarzes Plakat mit der weißen Aufschrift „Der Stuhl ist leer.“, dem Titel der Aktionskunst, zum Publikum. Ab diesem Zeitpunkt herrschte vollkommene Stille. Sie legte einen entscheidenden Grundstein für die Performance. Die Pappe legte Marie hinter die Stellwände. Im Folgenden traten nacheinander die unterschiedlichen Akteure in der oben gelisteten Reihenfolge vor. Zwischen jedem Satz breitete sich mehrere Sekunden lang Stille aus. Diese sollte die Schwere der Aussagen intensivieren. Erst begründeten die Künstler die Abwesenheit einer weiblichen Person. Die Verwendung des Personalpronomens „sie“ in den Sätzen akzentuiert, dass auch heute die Gleichstellung der Frau nicht vollständig gegeben ist. Ebenfalls bezieht es sich auf ausgeschlossene Minderheiten der Gesellschaft, insbesondere mit dem Bezug auf die Shoa. Anschließend beschrieben die Akteure das Zusehen und die Gewöhnung an die Abwesenheit. So wird gezeigt, dass Ausgrenzung zur Normalität wird. Kenntlich wird dies direkt durch die Worte „Der leere Stuhl gehört plötzlich dazu.“ Genau dies spiegelt auch sein Eröffnungssatz „Wir sind vollständig“ wider. Zunehmend wird die Verdrängung dessen geäußert. Hier fügt sich ein Kreis, beginnend mit Nadjas Satz „Wir haben hingeschaut“, und endend mit ihrer Verdrängung „Man schaut nicht mehr hin.“ Damit wird darauf hingewiesen, dass der Mensch in seiner Natur dazu neigt, Umstände anzunehmen und diese, so grauenhaft sie auch sein mögen, von sich abzuwenden. Akzentuiert wird dies weiterhin durch das Verlassen der Versammlung, durch das die Akteure das Ablegen der Verantwortung betonen.

Die schwere Stille zwischen den Worten der Künstler zwingt zum Reflektieren. Es soll zum Hinterfragen der eigenen Taten und denen von anderen Personen dienen. Während sich die Stille in den Köpfen des Publikums verfestigt, verschwindet unter den Darstellern zunehmend das Bewusstsein für die Folgen ihrer Ignoranz. Die Stille symbolisiert das Schweigen der Mehrheit in Gedenken an die Shoa. Besonders im Hinblick auf die heutige politische Situation gewinnt die Performance an Bedeutung: Der Extremismus wird präsenter und damit werden ebenso Taten wie die Shoa zunehmend relativiert. Die Performance soll darauf hinweisen, dass die gezeigte Stille gebrochen werden muss.

Auch nach der Visualisierung selbst bleiben Nachwirkungen zurück. Der leere Stuhl, auf dem ein Erklärungsschreiben klebt, steht öffentlich zugänglich in der Aula und erinnert somit an die Aktion.

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