Sonntag, der 12. Juni 2016: Ein wolkenverhangener Morgen nach zuvor sonnigen, schwül warmen Frühlingstagen und wir auf dem Weg in die „Triathlon-Schlacht von Lübeck“!

Nach zweistündiger Fahrt zum Herzen der Hansestadt bewundern wir die bestens vorbereitete „Kampfarena“, wo Startpunkt, Wechselzone und Ziel im Menschengetümmel verschmelzen. Wo man auch hinsieht: Menschen über Menschen. Herumspazierende Schwimmer in Neoprenanzügen, die schon jetzt die feuchte Luft aalglatt zu durchgleiten scheinen. Radfahrer, ausgerüstet mit stylischen Karosserien im Wert einer Einbauküche und geschützt von außerirdisch erscheinenden, windschnittigen Kopfschutzhauben. Läufer mit imaginären Scheuklappen und ernstem Blick, jedwede Gedanken hinter sich lassend.  Sportstände, die zu versprechen scheinen, menschliche Bleikugeln zu lebendigen Fischen mutieren zu lassen. Verpflegungsstände auf Niveau eines sportlichen Schlaraffenlandes. Dazwischen Zuschauer, Streckenposten, Rettungsschwimmer, DLRG- Boote, Zelte und Helfer des Roten Kreuzes … und wir m i t t e n d r i n !!!


Unsere Startzeit rückt näher... Während wir uns bei der Wettkampfbesprechung einweisen und verunsichern lassen, schießen Herzfrequenz und Adrenalin-Pegel exponentiell in die Höhe. Wir pressen uns in die Schwimmanzüge und unser Herz vervollständigt die offizielle Stimmungsmusik mit innerlichen Bässen. Dann geht es los. Auf in die Strömung des Elbe-Lübeck-Kanals, kurz warm geschwommen, hinter der Startleine wie Sardinen in der Büchse positioniert, 3…2…1… *tröööt*. Eine gefühlte Massenschlägerei beginnt: Hiebe und Fußtritte von links und rechts, von vorn und hinten. Jeder ringt um seinen Platz, es scheint kein Entkommen zu geben. Also mit dem Strom schwimmen- im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem wir uns einen gewissen Freiraum erarbeitet und unser Tempo gefunden haben, visieren wir die Bojen an. Die erste ist umschwommen, die zweite hinter uns gelassen und jetzt nur noch Richtung Ausstieg! 20 Meter, 10 Meter, hoch die Leiter und  geradewegs zur Wechselzone. Puh, ist mir schwindelig! Egal! Helm auf, Schuhe an, Sprint zum Start, rauf aufs Rad und los! 1. Wende; „Vorsicht“ wurde bei der Einweisung gepriesen! 2. Wende; „Ach, das geht doch schneller!“, aber ich merke, die schlierigen Kurven verstärken die Fliehkraft. 3. Wende; „Jetzt bloß nicht hinlegen und ungewollten ‚Blauschmuck‘ anlegen!“ Geschafft! Und nun zurück zur Wechselzone! Schnell das Rad zurückgestellt und dann zur Laufstrecke! Manometer, das fühlt sich an wie auf Eiern! Über Stock und Steine, am Wasser entlang, über Brücken, auf der anderen Uferseite zurück, nur keine Zeit verlieren und keine Gedanken an die Umgebung verschwenden! Au, das zwiebelt in den Oberschenkeln, aber die Frau da vorne kriege ich noch! Komm, beiß die Zähne zusammen! Nur noch ein paar Meter! Das Ziel rückt näher und die Adrenalinkanone feuert unentwegt. Los, gib alles, auch wenn das Blei an den Füßen dich einzubetonieren versucht! 10 Meter, 3 Meter, 1 Meter… und rein in die Himmelpforte! Der Jubel der Zuschauer reißt alle Gewichte von mir. Endlich! Im gleichen Moment wird mir eine Medaille um den Hals gelegt. Ich muss aussehen wie ein Honigkuchenpferd und fühl mich unheimlich frei. Beim Wettkampf noch große Rivalen und jetzt wird zusammen mit den anderen Sportlern gefeiert, geplaudert und am Basar der Bauch vollgeschlagen.

Geschafft und erleichtert zugleich fahren wir zurück und sind in Gedanken schon im Wettkampffieber des Torgelow Triathlons!

Ole Paul erreichte den 23. Platz unter 201 startenden Männern