Torgelower Gymnasiasten nehmen am Abrudern des FRC von 1882 teil

Laut Wettervorhersage für Samstag, den 25. Oktober 2003, sollten die Temperaturen bei -2° liegen, vorübergehende Niederschläge in Form von Schnee oder Regen wären möglich. Nicht unbedingt das richtige Wetter für Wassersport.
Trotzdem machten sich am Freitagnachmittag zwei Schüler, Matti und Conrad, (die Härtesten) des Ruderprojekts mit uns auf den Weg zum Frankfurter Ruderverein, dem FRC von 1882, um gemeinsam mit 26 weiteren Ruderern zwischen 15 und 50 Jahren am Abrudern teilzunehmen.

Zum jährlichen Abrudern treffen sich viele Ruderfreunde des Vereins ein letztes Mal im Jahr für eine gemeinsame Fahrt auf der Oder. Danach werden die Boote winterfest gemacht, d.h. es werden daran nötige Wartungs- und Pflegearbeiten vorgenommen, um dann im Frühjahr wieder ins Wasser gelassen zu werden.

Conrad und Matti, die bereits beim letzten Abrudern dabei waren und damit die Oder schon von der seit vielen Jahren stürmischsten Seite kennen gelernt hatten, kannten den Ablauf:
Nach einem gemeinsamen Abendessen im Kontor, einem gemütlichen Gasthaus, bezogen wir im Bootshaus auf Luma und mit Schlafsack Quartier. Am Samstagmorgen gab es gegen 7.00 Uhr ein ausgiebiges Frühstück, bei dem es, Dank unserer Küche, an nichts fehlte.

Dann ging es mit dem Zug nach Wellmitz, von dort per Fußmarsch ca. 3 km nach Ratzdorf. Für einige hätte dies sicher bereits als sportliche Betätigung gereicht - nicht jedoch für wahre Ruderer.

Sechs Vierer standen auf einem Bootshänger bereit, mit denen jeweils vier Ruderer und ein Steuermann die Oder hinunter nach Frankfurt rudern wollten. Doch zunächst einmal hieß es: Boote vom Bootshänger abladen, Ausleger anschlagen, Rollsitze und Stemmbretter hineinlegen, Skulls holen, Verpflegung und Wechselsachen im Boot verstauen, kalte Füße beim Einsteigen holen.

Nach einer Stunde hatten wir die Vorbereitungen abgeschlossen und das erste Boot im Wasser. Es war ziemlich kalt, aber nicht lange. Schon nach wenigen Kilometern überlegten sich die meisten, so auch Conrad und Matti, nicht mehr, ob die Kleidung warm genug war, sondern eher wie sie auf 42 km die Blasen an den Händen sowie die schmerzenden Handgelenke aushalten und zum Schluss den Rücken wieder gerade bekommen sollten.

Irgendwann spürte man dies alles nicht mehr. Man konzentrierte sich auf den Schlag, verteilte Wasserspritzer und bekam daraufhin ab und an von den erfahrenen Ruderern einige "dezente" Hinweise, wie das Rudern besser, leichter bzw. trockener ginge.
Wir ruderten auf der Oder und sahen den Anglern auf deutscher und polnischer Seite zu, erfreuten uns an den Schwänen, Fischreihern und der Landschaft, die in diesem Jahr bei dem niedrigen Wasserstand der Oder selbst für Frankfurter ganz anders erschien.

Nach ungefähr 26 km legten wir in Aurith zum Mittagessen an. Dort konnten wir uns bei einer heißen Kartoffelsuppe etwas stärken. Anscheinend war die Mittagspause zu lang, denn in der Zwischenzeit hatte ein Biber ganze Arbeit geleistet und einige Bäumchen gefällt, die nun natürlich genau auf einem unserer Boote lagen.

Nach der Bootsrettungsaktion ging es im zügigen Tempo die 16 km zum Bootshaus nach Frankfurt weiter, wo wir gegen 16.30 Uhr ankamen. Schnell wurden von allen gemeinsam Boote und Skulls gesäubert und weggestellt.

Nach einer warmen Dusche erwartete uns Kuchen und Kaffee und bald brachen wir zur Rückfahrt auf.

Auf dem Heimweg regnete es - aber das störte uns nicht. Es war ein anstrengender, aber auch sehr schöner Tag, der sicher noch in Erinnerung bleibt, wenn die Muskelschmerzen schon lange vergessen sind.

Holger und Regina Roll