Theater Club

Der neu gegründete Theater-Club stellt an dieser Stelle regelmäßig Besprechungen zu den Stücken vor, die wir uns gemeinsam angesehen haben:

„Woyzeck“
Thalia-Theater Hamburg
1. März 2011

Franz Woyzeck ist ein einfacher Mann, ein armer Soldat. Um seiner Geliebten Marie finanziell etwas bieten zu können, nimmt er allerhand Strapazen auf sich, lässt sich zum Beispiel vom Hauptmann herumkommandieren und setzt als des Doktors Versuchskaninchen Psyche und Korpus aufs Spiel. Dennoch scheinen sich keine Erfolge zu zeigen, im Gegenteil, denn Marie zeigt zunehmend Interesse am Tambourmajor, fängt sogar eine Affäre mit ihm an. Von allen Seiten drückt es auf den Protagonisten ein, sein Leben wird über das Stück zunehmend zu einem fesselnden Albtraum. Der Zuschauer verfolgt den gänzlichen Verfall des Woyzeck.
 
 So gibt es die Originalversion Büchners von 1836/1837 vor. Dieser Stoff wird derzeit im Hamburger Thalia-Theater nach den Ideen von Tom Waits inszeniert – God’s away on business!
 
 Ein wahrhaftig vom Leben gezeichneter Mann, offensichtlich Woyzeck, betritt in einfacher Jeans und grauem Unterhemd die Bühne. Eine dem verharmlosenden Titel nicht gerechte, von Einsamkeit und Leiden geprägte Welt wird vorgestellt. Er beginnt, kontrastierend zu seiner unscheinbaren Gestalt, brüllend das Stück. Manchmal verirren sich moderate Lautstärken in seine Ekstase, hauptsächlich jedoch schreit er. Er und alles in seiner Nähe scheint von Gott verlassen. Ein eher verwundernder Auftakt, der die Zuschauer direkt mit einer überreizten Psyche, einem brüchigen Charakter, ja einer kranken Persönlichkeit konfrontiert.
 
 Doch schnell gibt das Stück dem Publikum die Situation zu verstehen, im Laufe der Handlung entwickelt sich dadurch eine Sympathie für Woyzeck. Sogar der tragische Mord an Marie wird dem derart überzeugend gespielten Woyzeck verziehen, nicht zuletzt, weil der ebenso schwache wie starke Charakter den Besucher fesselt. Franz Woyzeck nähert sich fortwährend der Schwelle des Unmenschlichen, verfällt niedersten Instinkten und wäre somit auch ohne die Endsequenz ein tragischer Charakter.
 Die Schauspieler müssen mit wenig Theatertext umgehen, dafür mit umso mehr Liedtexten. Das gesamte Geschehen wird dominiert von musikalischen Begleitungen und Einlagen, die es sehr geeignet sind, emotionale Aussagen zu treffen und die Zuschauer zu fesseln. Selbst die einfachen, monotonen Rhythmen der Pauke wissen manchmal die Stimmung am treffendsten zu vermitteln. So wird aus den Charakteren, ihren Stimmen und Beziehungen und der allgegenwärtigen Musik eine universelle Einheit, die sich  mehrerer Sinne bedient, um sich Gehör zu verschaffen.
 
 Dabei ist unbedingt auf die Qualität der Texte, der Musik und der Stimmen hinzuweisen, die das Stück absolut bereichern, die Spannung aufrecht erhalten und fördern und die gesamte Handlung verständlicher machen. Besonders die vielfältigen und wirklich schönen Stimmfarben machen Spaß, da sie den jeweiligen Charakter für den Zuschauer zugänglicher machen. Die so aus der Musik entnommenen Eindrücke können besser in das Geschehen übertragen werden. Gedämpft wird die Begeisterung lediglich auf einigen Plätzen, an welchen der Hinweis auf Ohropax an mancher Stelle sicherlich im Nachhinein dankend begrüßt worden wäre.
 
 Auch eine weitere Besonderheit zeugt von großem Ideenreichtum. Einzige Requisite ist, abgesehen von einigen kleineren Notwendigkeiten, ein großes Netz, gespannt in einen etwa bühnengroßen Rahmen. Neben der gelungenen Einbeziehung in das Vorgehen auf der Bühne hat dieses Netz den symbolischen Charakter einer vielseitigen Grenze und verknüpft so das gesamte Stück, da es eigentlich jederzeit Verwendung findet. So trennt es Woyzeck von Marie und ihrem Geliebten, dient Woyzeck und Marie im nächsten Moment als ruhiges, abgeschottetes Bett und erhebt schon zu Anfang den Hauptmann über Woyzeck, als dieser zu seinen Füßen das Rasiermesser schärft.
 
 Die Hauptfiguren: Ein eifersüchtiger, psychisch gestörter Woyzeck, der sich von der Gesellschaft befreien möchte. Eine emotional verwirrte und trotz der Handlung fast unschuldige Marie, wohl weil sie zwischen zwei Extremen steht. Ein Tambourmajor, der Selbstbewusstsein, Kraft und Stolz in das Mark des Zuschauers strahlt und dabei selbst unbetont bleibt. Ein gesellschaftlich gesicherter Hauptmann, der es nahezu sadistisch genießt, dass ihm Woyzeck vollkommen untergeben ist. Ein dem Risiko trotzender und ignoranter Doktor, für den die Wissenschaft über der Menschenwürde steht. Ein detailverliebt und höchst anspruchsvoll gespielter Andres, der das Stück mit Witz bereichert und ihm stellenweise den Ernst nimmt. Ein kindlicher und gefühlsbetonter Karl - ein Idiot, der eigentlich weniger idiotisch als emotional überfordert scheint. Und eine theatralische Margreth, die das Stück mit einem überaus gelungenen Gedicht Büchners beginnt und beendet und somit sowohl auf das Stück einstimmt als auch die Endwirkung maßgeblich beeinflusst. Das Gedicht zeichnet den Konflikt zwischen menschlicher Vorstellung und Realität und rundet das Stück ab.
 
 Letztendlich lässt sich sagen, dass das Stück eine große schauspielerische, gesangliche und artistische Leistung ist, die größten Respekt verdient. Tom Waits ist eine gelungene Neuauflage des „Woyzeck“ gelungen, die einen Besuch der Hansestadt wert ist.

                                                                                                          Matthäus Karberg, K1

 

Gretchens Faust!
Berliner Ensemble

17. Januar 2011

Was für ein Faust! Und was für ein Abenteuer, DEN Klassiker der deutschen Literatur so zu erleben wie in der Inszenierung am Berliner Ensemble unter der Regie von Martin Wuttke: Die Bühne ist ein riesige Tafel im Foyer des Theaters. Die Zuschauer sitzen drumherum, sodass sie das Spektakel aus nächster Nähe, manchmal im wörtlichen Sinne zum Greifen nah erleben. Und was sie dort erleben, ist nahezu atemberaubend. Am Beginn ein dumpf vor sich hin stierender, dann wieder wild gestikulierender, aber doch in jeder Phase verstörend wirkender Faust in seinem Studierzimmer. Dieser Faust ist von Beginn an so ganz anders, als man ihn sich überhaupt vorstellen könnte: ein völlig kaputter, egozentrischer, dem Drogenrausch hingegebener Gescheiterter, der den „braunen Saft“ ansetzt, um seinem Leben ein Ende zu bereiten. Doch dann – wie bei Goethe – das Läuten der Osterglocken. Und Faust holt sich in Pudelsgestalt den Teufel ins Haus. Genialer Regiegriff Wuttkes: Der Teufel erscheint nicht als Figur auf der „Bühne“, sondern seine Texte werden von Faust gesprochen. Besser kann man kaum zeigen, wie das Teuflische nun mehr und mehr Besitz von Faust ergreift. Und was Wuttke - nicht nur Regisseur, sondern auch in der Titelrolle - nun leistet, ist eine Performance allererster Güte.

Nach einem spektakulären Gelage in Auerbachs Keller, an dem das Publikum mit einem Glas Wein teilhaben darf, nun das Gretchen! Auch für diese Figur hat die Regie eine Überraschung parat, denn Gretchen kommt gleich in zehnfacher Gestalt auf die Bühne. Man ahnt: Dem lüsternen, gierigen Faust ist es egal, welche er ins Unglück stürzen wird, es kommt ihm nicht so darauf an! Doch bei dieser weiblichen Übermacht gerät manches von der Goetheschen Überlieferung ins Wanken. Großartig, wie die Frauen mit Faust spielen, immer im Chor sprechend, flüsternd, schreiend, immer alles vollkommen synchron ausführend. Bis am Ende eine von ihnen die Waffe gegen den nun wunderbar jammervollen Faust erhebt und ihn -einfach erschießt. Mit lautem Knall wird also der Spieß umgedreht. Faust kommt diesem Gretchen nicht einfach so davon. Er, der sich schuldig gemacht hat, wird nun zum Opfer – „Das Ewig-Weibliche zieht“ IHN HINAB.

                                                                                              F. Jürgens

„Kabale und Liebe“
von Friedrich Schiller
Schauspielhaus Neubrandenburg
9. Oktober 2010

Diesmal hatten wir das Glück, einmal eine echte Premiere sehen zu können. Auf dem Programm des Neubrandenburger Schauspielhauses stand „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller.
 
 Der Premierenabend begann mit einer Rede vom Kultusminister Mecklenburg-Vorpommerns, Henry Tesch. Anschließend wandte sich auch der Regisseur Christoph Schroth, dem eine Woche zuvor das Bundesverdienstkreuz für seine jahrzehntelangen Verdienste um das Theater verliehen worden war, an das Publikum.
 In dem Stück selbst geht es darum, wie sich Luise, die Tochter eines Stadtmusikanten, und Ferdinand, der Sohn des Präsidenten, lieben. Doch der Präsident hat ganz andere Pläne mit seinem Sohn. Er möchte Ferdinand mit Lady Milford verheiraten und bringt über allerlei hinterhältige Intrigen die junge Liebe zum Scheitern, sodass Ferdinand zum Schluss Luise und sich selbst vergiftet.
 
 Als Präsident von Walter und Ferdinands Vater spielte Ralph Sählbrandt seine Rolle sehr ausdrucksstark. Ebenso beeindruckend stellten Thomas Pötzsch Luises Vater und Isolde Wabra ihre Mutter dar. Nicht ganz so großartig, aber durchaus sehr solide wirkten die Darsteller der beiden Hauptrollen - Christoph Bornmüller als Ferdinand und Nancy Spiller als seine Luise. Insgesamt bot das Ensemble an diesem Abend gute schauspielerische Leistungen. Auch der Regisseur Christoph Schroth brachte einige überraschende Elemente ein, wie zum Beispiel die Idee, die Liebenden auf eine riesige Schaukel zu setzen. 
 
 Trotzdem geriet der Abend etwas zu langatmig. Schroth hätte vielleicht etwas mehr kürzen sollen. Ich denke, dass die Aufführung noch ganz viele Schulklassen sehen werden. Deshalb ist es schade, dass es die Inszenierung nicht so richtig geschafft hat, das alte Schiller-Stück einem jungen Publikum von heute nahezubringen.


 Maurice Bode
 Klasse 8c

 

„Das Guido-Prinzip“
Berliner Kabarett-Theater „Distel“
15. September 2010

In seinem neuen Programm „ Das Guido-Prinzip“ hat sich Martin Maier-Bode mit einem Politiker befasst, der seit jeher zu den beliebtesten Spott-Objekten der Kabarettisten gehört: Außenminister Guido Westerwelle. Dieser liefert unfreiwillig komisch immer neue Steilvorlagen für die Gags, die Timo Doleys, Dorina Pascu und Edgar Harter mit viel Spielfreude auf die Bühne bringen.
 
 Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Der Enthüllungsjournalist Waldemar von Prönne hat sich sehr lange auf seinen Auftritt vorbereitet – „Das Guido-Prinzip“ heißt sein Buch, welches er jetzt unbedingt der Öffentlichkeit vorstellen möchte. Doch mit der Vertreterin seines Verlages hat er nicht gerechnet. Diese versucht, seine Lesung mit aller Macht zu verhindern. Doch warum, das bleibt etwas vage.
 
 In der ersten Hälfte des Abends kommt der Zuschauer aus dem Lachen kaum heraus, das Kabarett nimmt Originalzitate und auch die fehlende englische Sprachkompetenz unseres Außenministers gekonnt auf die Schippe. Allerdings bekommt die Aufführung nach der Pause ihre Längen. Manch ein Beitrag erscheint auch recht fragwürdig – etwa wenn weibliche Soldatinnen veralbert werden oder wenn gezeigt wird, wie die Oberschicht in Deutschland sich vermeintlich immer mehr abschottet und isoliert.
 Alles in allem bezogen sich weniger Gags als erwartet direkt auf Guido Westerwelle. Dennoch oder gerade darum war das Programm insgesamt sehenswert und regte zum Nachdenken an.
 
 Wie immer in der „Distel“ fehlten natürlich auch die Musik- und Gesangseinlagen nicht. Manchmal wirkten sie aber doch etwas bemüht.
 
 Trotzdem, alles in allem ein sehr gelungener Abend!
                                                                                                                       Hanja Runge

 

„Die Nervensäge“
Komödie von Francis Veber
Theater am Kurfürstendamm
20. Mai 2010

Der gefährliche Berufskiller Ralph (gut gespielt vom ehemaligen Tatort-Schauspieler Winfried Glatzeder) soll von seinem Hotelzimmerfenster aus einen Kronzeugen erschießen. Durch Probleme bei der Hotelverwaltung wurde dem Hemdenvertreter François (dargestellt von einem ebenfalls gut aufgelegten Marcus Ganser) dasselbe Zimmer zugeteilt. Ralph versucht alles, um François und den nervigen Hotelpagen (Gerd Lukas Strozer ist selbst eher nervig) loszuwerden, um seinen Auftrag ungestört zu erledigen .Der Hemdenvertreter jedoch möchte das Zimmer auf keinen Fall verlassen, da er seiner Frau, von der er getrennt lebt, einen Brief schrieb, in dem er sie bittet, ihn in genau diesem Zimmer zu treffen. Als dieser am Telefon erfährt, dass seine Frau nicht kommen will, startet er einen Selbstmordversuch. Und nachdem dieser gescheitert ist, erzählt er Ralph, wie sehr er doch seine Frau vermisse. Der Killer versucht unterdessen, François ohne größeres Aufsehen zu erschießen. Aber auch dies gelingt ihm wegen des ständigen Auftauchens des Pagen und weiterer Selbstmordversuche von François nicht. Als er den Hemdenvertreter davon abhalten will, aus dem Fenster zu springen, rutscht er selbst ab und stürzt auf den nächsten Fensterabsatz. Der bewusstlose Ralph wird nun von Dr. Wolf (Christian Fischer in einer eher blassen Rolle) behandelt, der zufällig auch der neue Freund von François’ Ehefrau ist. Der Doktor geht davon aus, dass Ralph der Mann seiner Freundin ist, redet in Gegenwart von François schlecht über diesen und spritzt dem Verletzten ein Beruhigungsmittel, welches den Killer weiterhin von seinem Auftrag abhält. Kurz darauf trifft auch François’ Frau Louise (Wicki Kalaitzi gibt die Rolle für eine Komödie allzu ernsthaft) ein. Nach längerem, recht zähem Hin und Her findet François zufällig das Gewehr von Ralph. Während dieser versucht, ihm die Waffe zu entwenden, löst sich ein Schuss. Als daraufhin die Polizei eintrifft, kommt es zu einer Schießerei, mit der das Stück dann endet. Die 1971 in Berlin bereits einmal aufgeführte Komödie bietet nur einige wenige wirklich lustige Passagen. Dem Titel “Nervensäge“ jedoch werden die Charaktere François und der Page durchaus gerecht. Die Idee für das Stück von Autor Francis Veber ist eigentlich ganz originell, doch eben wegen dieser Nervensägen zieht sich das ganze Stück doch sehr in die Länge, die Dialoge sind oft vorhersehbar und wiederholen sich, sodass nur selten das, was eine Komödie so sehenswert machen sollte, eintritt. Alles in allem ein eher durchschnittlicher Theaterabend.

Fabian Leyh

„Hamlet“
von William Shakespeare
Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin

14. April 2010

Shakespeare - vor allem diesen Namen assoziiert man mit klassischem Theater. Der Schweriner „Hamlet“ ist aber ein durchaus modern inszeniertes Stück, das dabei dennoch auch den Freund der alten Shakespeareschen Sprache auf seine Kosten kommen lässt.
 
 Die Inszenierung beginnt mit dem Erscheinen des Geistes von Hamlets Vater, dem ehemaligen König von Dänemark (Thorsten Merten). Er war von den Wachen bereits mehrfach wahrgenommen worden. Diese informieren nun auch Hamlet (Markus Wünsch), woraufhin dieser in der folgenden Nacht zum Geist seines Vaters sprechen kann.
 
 Der Geist befiehlt ihm, sein bisheriges Leben aufzugeben, um Rache an Claudius (Jochen Fahr) zu üben. Claudius wird vorgeworfen, seinen Bruder, den König, getötet zu haben, um auf den Thron steigen und dessen Frau Gertrud (Bettina Schneider) zur Braut nehmen zu können.
 
 Thorsten Merten verkörpert den Geist sehr eindrucksvoll. Die Anlage der Rolle leidet aber deutlich darunter, dass der Geist allzu oft versucht, heimliche Lauscher durch wildes Geschrei zu verscheuchen, was unsinnig wirkt und dem Publikum einiges an Geduld abverlangt.
 
 Hamlet ist mit der Anforderung, Rache zu üben, zunächst überfordert. Durch angeheuerte Schauspieler fühlt er schließlich aber Claudius auf den Zahn. Er lässt die Situation darstellen, die der Geist ihm schilderte, und Claudius bezieht das Schauspiel sofort auf sich, obwohl niemand von seinen vermeintlichen Taten wissen sollte. Dies ist ein sehr gelungener Höhepunkt des Stückes, da man die steigende Wut in Claudius´ Gedanken sehen kann und die hohe schauspielerische Klasse von Jochen Fahr zum Vorschein kommt.
 
 Im Verlaufe des Stückes möchte Claudius Hamlet im Ausland ermorden lassen, da er merkt, dass Hamlet ihm auf die Schliche gekommen ist. Doch Hamlet durchkreuzt diese Pläne, und es kommt zum großen Showdown, einem Blutbad durch die Hand Hamlets, dem letztlich alle Beteiligten zum Opfer fallen. Mit einem letzten Rest Gift verabschiedet sich Hamlet schließlich selbst von der durch ihn zerstörten Welt. Der Regisseur Peter Dehler lässt das Gemetzel quasi in Zeitlupe ablaufen, was eindrucksvolle Bilder ermöglicht.
 
 Dehler inszeniert seinen „Hamlet“ als ein ernstes Stück, bei dem die psychologischen Aspekte in der Beziehung der Hauptfiguren zueinander eine erfreulich vordergründige Rolle spielen. Modern wirkt die Bearbeitung des historischen Stoffes vor allem dadurch, dass Peter Dehler die Tragödie durch Mittel des Humors zu würzen versteht. Nur manchmal überreizt der Regisseur hier allzu sehr. So wirkt es eher albern, wenn die Totengräber (Jana Kühn, Klaus Bieligk) ihr Handwerk veranschaulichen. Dies mutet eher nach einem Kindertheater als nach einem ernsthaften Shakespeare-Stück an und wirkt absolut unpassend, was aber kaum etwas an dem ansonsten sehr ansprechenden Theaterabend ändert. Der Schweriner „Hamlet“ bietet große Schauspielkunst in einer gelungenen, inspirierenden Inszenierung!